Psychotherapie ist kein Luxus – sondern medizinische Notwendigkeit.
Wir fordern: Eine faire Vergütung für alle psychotherapeutischen Berufe und die Sicherstellung der bedarfsgerechten Versorgung gesetzlich Versicherter.
Beim Bundestag wurde eine Petition für die Sicherstellung der ambulanten Psychotherapie gestartet. Diese kann bis zum 09.06. mitgezeichnet werden.
Wenn Du diese unterstützen möchtest (jede Stimme zählt!) klicke auf den folgenden Button:
Zur Begründung von Honorarkürzungen greift der GKV-Spitzenverband auf eine irreführende Prozentbetrachtung zurück - ein klassischer Rechentrick[hier vorgerechnet]. Die angeführte nominelle Steigerung von 52 % gegenüber 33 % bei Fachärzt(inn)en blendet das deutlich niedrigere Ausgangshonorar aus, sodass die tatsächliche absolute Erhöhung in Euro sogar merklich geringer ausfiel als bei Fachärzt(inn)en.
Persönliche Einschätzung: Diese selektive Darstellung dient aus meiner Sicht dazu, die öffentliche Debatte bewusst in eine Neiddiskussion zu lenken und Solidarität mit Psychotherapeut(inn)en gezielt zu unterbinden – ein Vorgehen, das man als bewusste Diskreditierung des gesamten Berufsstandes werten könnte.
Psychotherapeut(inn)en erzielen pro Stunde nur ca. 50 % des Überschusses von Vergleichsärzten.[1] Für den GKV-Spitzenverband ist das "überdurchschnittlich". Fair?
Patient(inn)en warten durchschnittlich 5–6 Monate auf einen Therapieplatz.[2] In ländlichen Regionen ist die Lage noch dramatischer.
Auf 100.000 Einwohner(inn)en kommen in Deutschland nur ca. 42 Psychotherapeut(inn)en[3] – bei wachsendem Bedarf.
Die Zahl der psychischen Erkrankungen bei jungen Menschen steigt stark. Dennoch gibt es zu wenig Plätze für Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie.[4]
Im Vergleich zu anderen OECD-Staaten liegt Deutschland bei der psychotherapeutischen Versorgung nur im Mittelfeld[5] – mit großem Aufholpotenzial.
Lange Wartezeiten führen zu Chronifizierung und staatlicher Abhängigkeit. Heilung ist eine Investition[6]; Krankheitsverwaltung ein Verlustgeschäft.
Stell dir vor, du hast 1 € und bekommst 1 € dazu. Das entspricht einer Steigerung von 100 %. Dein Nachbar hat 10 € und bekommt 2 € dazu – das sind 20 % Steigerung.
Dein Zuwachs von 1 € ist absolut gesehen nur die Hälfte (50 %) der 2 € deines Nachbarn. Schaut man sich aber rein die Prozentwerte an, ist deine prozentuale Steigerungsrate (100 %) fünfmal so hoch wie die deines Nachbarn (20 %). Man erhält also real viel weniger Geld, und trotzdem wird es statistisch als eine fünfmal so hohe Steigerung dargestellt.
Genau diese Methode nutzt der GKV-Spitzenverband in der Debatte um die Vergütung von Psychotherapeuten:
Der Verband kritisiert eine Honorarsteigerung von 52 % bei den Psychotherapeut(inn)en gegenüber 33 % bei den Vergleichsärzt(inn)en als „unverhältnismäßig“. Was dabei bewusst verschwiegen wird: Die Ausgangsbasis (das historische Einkommen) der Therapeut(inn)en war viel geringer. Der effektive Zuwachs in Euro fällt am Ende niedriger aus als bei den Ärzt(inn)en.
Framing! Man verpackt eine Information in einen bestimmten Rahmen (Prozentwerte statt Eurobeträge), um die Wahrnehmung gezielt zu steuern. Die Zahl „52 % Steigerung“ ist plakativ, brennt sich im Kopf fest und erzeugt in der Öffentlichkeit ein falsches Bauchgefühl von unberechtigter „Maßlosigkeit“.
Dieses Bauchgefühl wirkt wie ein psychologischer Anker. Jedes sachliche Gegenargument der Therapeuten – dass sie trotz hoher Prozentzahlen in absoluten Euro-Beträgen weiterhin hinterherhinken – muss nun mühsam gegen diesen ersten, emotionalen Eindruck ankämpfen. Da die wenigsten Menschen die Zeit und Muße haben, die mathematische Ausgangsbasis zu hinterfragen, bleibt das verzerrende Bild vom „überbezahlten Therapeuten“ in den Köpfen hängen.